In den Medien, Interview, Schreibwerkstatt

Ulysses – Interview mit Jeanine

Ulysses ist eine Schreibumgebung für Mac, iPhone und iPad

in der ich seit Jahren meine Romane und andere Texte verfasse. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als sich Rebekka Honeit von Ulysses erkundigte, ob ich nicht Lust hätte, ihr ein paar Fragen für den Ulysses-Blog zu beantworten.


Das Interview

Da Ulysses weltweit genutzt wird, wurde auf ihrem Blog eine englischsprachige Version des Interviews eingestellt, was mich besonders freut.

Bitte erzähl uns etwas über dich, wer du bist und woran du arbeitest.

Ich bin Jeanine Krock und Schriftstellerin. Meistens. Also meistens bin ich Jeanine, manchmal schreibe ich auch unter anderem Namen. Aktuell als Kiri Johansson, deren Roman ISLANDSOMMER im Mai bei Heyne erscheinen wird. Derzeit stecken wir mitten im Lektorat – eine emotionale Achterbahn für mich.

Außerdem bin ich Europäerin und Kostümbildnerin, war u.a. Model-Bookerin und -Scout, Relocation Consultant, Kellnerin, Köchin, Telefonistin und Hemdenbüglerin.

Welche Rolle spielt das Schreiben in deinem Leben?
Kiri Johansson: Islandsommer, Cover

Ab Mitte Mai 2018 im Handel

Ganz unromantisch gesehen, ist es mein Broterwerb. Ein Beruf, der mich rund um die Uhr begleitet, was schwerer zu ertragen wäre, würde er nicht auch sehr oft großen Spaß machen.

Als du Autorin wurdest, hattest du bereits ein recht bewegtes berufliches Vorleben hinter dir: Du hast u.a. in Großbritannien, Griechenland und auf den kleinen Antillen gearbeitet. Kannst du bitte erzählen, wie es dazu kam, dass du Schriftstellerin wurdest?

Das ist keine besonders schöne Geschichte. 1995 hatte ich einen Reitunfall mit komplizierten Folgen: Nahtoderfahrung (super für die Recherche, nicht so schön im wahren Leben), wieder Laufen lernen und berufliche Neuorientierung. To name but a few.

Während der Rekonvaleszenz saß ich in einer winzigen Wohnung in Hamburg fest und mir ging der Lesestoff aus. Was lag näher, als sich selbst eine Geschichte zu schreiben? Verlegt wurde sie als Buch eher zufällig sechs oder sieben Jahre später. Erfreulicherweise mochten es die LeserInnen und der Verlag entschied, ich müsse weiterschreiben. Voilà. Nach zahllosen Seminaren und fünfzehn Jahre später ist das Schreiben nun mein Beruf.

Darüber hinaus coache ich bei Die Wortfinderinnen junge (im Sinne von: EinsteigerIn ungeachtet des Lebensalters) Schreibende und engagiere mich in der Community.

Du hast schon eine Vielzahl von Romanen veröffentlicht. Woher kommen deine Ideen?

Ich weiß nicht, wie es funktioniert. Zu behaupten, die Einfälle kämen einfach so, würde ziemlich esoterisch klingen, deshalb versuche ich mal zu erklären, wie das bei mir läuft:

Ich lese viel. Bücher, Zeitungen, Blogs und natürlich auch vieles, was unter Social Media zusammengefasst werden kann. Ich gehe in die Welt hinaus, sehe und höre zu, beobachte … Außerdem habe ich mich mit diversen Aspekten der Psychologie befasst. All das zusammen hilft, sich ein Bild der Menschen, ihrer Befindlichkeiten und des Lebens zu machen.

Der Trigger: Manchmal ist es etwas, das ich im Gespräch aufschnappe, oder ich frage mich, wie es dazu kommen konnte, dass jemand auf diese oder jene Weise reagiert. Reisen inspiriert ungemein, da gibt es dann eine besondere Landschaft und Geschichten dazu und plötzlich habe ich mein neues Thema …

Du hast bei großen Verlagen wie Heyne und LYX/Lübbe veröffentlicht, aber auch Bücher im Selbstverlag herausgebracht. Was sind die Vor- und Nachteile beider Varianten?

Ich habe tatsächlich in Klein-, Mittel- und Großverlagen veröffentlicht. Dabei gab es Unterschiede, aber wenn ein Verlag an dich glaubt, dich unterstützt und dich auch nicht fallen lässt, weil ein Titel die Erwartungen nicht erfüllt hat (was immer passieren kann und nach meiner Erfahrung häufig nichts mit der Qualität der Story zu tun hat), dann ist es ein guter Verlag.

Als Selfpublisherin zu arbeiten, gibt mir auf der anderen Seite maximale Freiheit. Du kontrollierst den Entstehungsprozess deiner Bücher vom Anfang bis zu Ende – aber du trägst natürlich auch das gesamte unternehmerische Risiko und das ist nicht gering.

Cover ANGELS of DAWN

Wiederauflage der Verlagstitel / Selfpublishing

Was, denkst du, sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Schriftsteller mitbringen sollte, um erfolgreich zu sein?

So merkwürdig es klingen mag: Disziplin. Noch mehr? Okay. Leidensfähigkeit (es geht ungerecht zu, wie überall), Liebe zum Detail, gleichzeitig muss man sein Handwerk beherrschen und den Lust dazu haben, jeden Tag Neues zu lernen. Erwähnte ich schon die Disziplin? Du musst recherchieren, deine Ablage (und die Steuer) in Ordnung halten, jeden Tag schreiben oder über deine Geschichte und die Figuren nachdenken. Auch wenn die Sonne scheint und du lieber Eis essen gehen würdest. Du solltest gut mit dir selbst auskommen, in all den Wochen, in denen du allein an einem Buch arbeitest, aber auch deine Mitmenschen lieben. Selbst dann noch, wenn sie mit den Worten vorbeischauen: »Ich will nicht stören – nur ganz fix …« Und dahin ist sie, die geniale Idee. Von der Konzentration ganz zu schweigen.

Welche Rolle spielt Selbstmarketing für den Erfolg? Muss man das können, oder finden wirklich gute Geschichten auch so ihre Leser?

Es ist ein Mirakel. Ich glaube, Marketing, also Sichtbarkeit, spielt eine wichtige Rolle. Wer darauf keine Lust hat, sollte es aber dennoch lieber lassen. Die LeserInnen haben ein gutes Gespür dafür, was authentisch ist – okay, manche habe es auch nicht, aber man will sich ja am Ende des Tages auch noch im Spiegel wiedererkennen können.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass es wirklich gelingen kann, aus mittelmäßigen Titeln Bestseller zu machen. Leider funktioniert es auch andersherum. Da floppen tolle Bücher, weil das Marketing überhaupt nicht funktioniert hat oder die falsche Zielgruppe angesprochen wurde.

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Leben aus?

Den gibt es eigentlich gar nicht. Oder doch … Ich bin eine Jahreszeitenschreiberin. Im Sommer stehe ich gern gegen fünf Uhr auf, koche mir eine gute Tasse Tee und schreibe bis der Magen knurrt. Im Winter fange ich überwiegend abends an und klappe das Notebook bei Sonnenaufgang zu.

Eine feste Größe ist für mich, an einem begonnenen Buch jeden Tag zu schreiben, ganz gleich, ob es brauchbar ist oder nicht, und mir zwischen den Projekten dennoch Phasen »kreativen Müßiggangs« zu erlauben. Der Begriff stammt nicht von mir, er wird Martin Walser zugeschrieben.

Bitte erzähle, wie du Ulysses benutzt.

Ich nutze Ulysses schon seit vielen Jahren. Es ist für mich ein perfektes Tool, um meine Arbeit zu organisieren. Nach dem großen Relaunch dachte ich zuerst, die neue Struktur mit Gruppen und Sheets wäre nicht mein Ding, aber inzwischen möchte ich sie nicht mehr missen.

Ulysses hilft mir u.a., meine Deadlines zu managen, Tagesziele zu erreichen und den Überblick über Textumfang und Kapitellängen zu behalten oder Textschnipsel aufzubewahren.

Wie hast du von Ulysses erfahren?

Das ist so lange her, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann. Was mir aber im Gedächtnis geblieben ist, war diese Nacht kurz vor einem Abgabetermin, als plötzlich nichts mehr ging: Voller Panik habe ich den Support angeschrieben, bekam binnen Minuten eine Antwort und innerhalb von wenigen Stunden war alles wieder gut. Später habe ich erfahren, dass es der Chef war, der mich mitten in der Nacht geguidet hat. Das werde ich nie vergessen.

Welche anderen Programme und Tools benutzt du, und wie helfen sie dir, produktiv zu arbeiten?

E-Books erstelle ich – übrigens auch für KollegInnen – mit Vellum. Auf Photoshop würde ich äußerst ungern verzichten. Spark finde ich vor allem für Instagram praktisch, mit Trello organisiere ich Gemeinschaftsprojekte und Papyrus hilft mir, meine Texte nach Fehlern und sprachlichen Ungereimtheiten zu durchsuchen. Word – nun ja … Die Verlage nutzen es halt.

Was ist sonst noch notwendig, damit du produktiv bist? Arbeitest du zum Beispiel in einer bestimmten Umgebung oder folgst einer zeitlichen Routine?

Digital besteht meine Arbeitsumgebung aus einem MacBook Pro und meinem nagelneuen iMac. Smartphone und Tablet spielen eine untergeordnete Rolle.

Oder meinst du die Lebensumgebung? Da sitze ich am liebsten am Schreibtisch. Ganz gleich, wo der steht, nur ruhig muss es dort sein. Schreiben in Cafés klingt toll, ist aber nichts für mich. Ich bin viel zu neugierig und interessiere mich immer dafür, was die Leute so reden oder tun. Wenn es geht, nehme ich mir gern ein paar Tage Auszeit am Meer, ohne Internet aber mit Hund und am liebsten auch mit einem Islandpferd. Einfach nur übers Wasser zu blicken ist der pure Luxus für mich und entschädigt großzügig für viele durchgearbeitete Wochenenden.

Zur englischsprachige Version

 

Nachtrag: Da der Produktname in diesem Beitrag häufiger genannt wird, denke ich, es ist besser darauf hinzuweisen, dass ich über mein Software-Abonnement hinaus in keinerlei geschäftlicher Verbindung mit dem Leipziger Unternehmen stehe. Mit anderen Worten: Es weder Geld geflossen, noch habe ich irgendwelche Ermäßigungen o.ä. erhalten. Ich finde die Software einfach nur gut und das EntwicklerInnen-Team hilfsbereit und sympathisch.